Man kann vom Dichten leben erst, wenn man längst krepiert ist. (Gustav Meyrink)

Kind ohne Namen

Eine Geschich­te übers Fremd­sein und das, was mög­li­cher­wei­ser Hei­mat aus­macht. Über guten Wil­len und böse Machen­schaf­ten, über das Benut­zen von Men­schen für eige­ne Zwe­cke. Über das gut Gemein­te und schlecht Gelun­ge­ne. Es ist für mich schwer, ein eige­nes Buch »kurz & kna­ckig«, wie’s alle immer ger­ne hät­ten, zusam­men­zu­fas­sen: Hier zum voll­stän­di­gen Klap­pen­text.

Erst­mals schrei­be ich aus der Per­spek­ti­ve einer Frau; einer jun­gen Frau, die nach einer Zeit in der Groß­stadt in ihr abge­le­ge­nes Hei­mat­dorf zurück­kehrt, zurück­keh­ren muss. Eine hand­voll Flücht­lin­ge trifft als­bald eben­falls dort ein, was nicht allen gefällt, obwohl der eine ode­re ande­re sei­ne Chan­cen sieht…

Gegen das Eti­kett »Flücht­lings­ro­man«, das mög­li­cher­wei­se schnell zur Hand ist, erhe­be ich aller­dings sofort und vor­sorg­lich Ein­spruch. Um die Flücht­lin­ge geht es mir gar nicht. Ich über­spit­ze, aber dra­ma­tur­gisch gese­hen sind die unin­ter­es­sant. Ihre Motiv­la­ge ist son­nen­klar. (Wer wür­de nicht flie­hen, wenn ihm/ihr Bom­ben um die Ohren flö­gen. Wir doch auch, ist nur zwei Genera­tio­nen her.)

Mich inter­es­siert das ambi­va­len­te Ver­hal­ten der ande­ren Figu­ren, der erzäh­len­den Haupt­fi­gur namens Xenia, ihrer über­aus enga­gier­ten Mut­ter und eines zwie­lich­ti­gen Unter­neh­mers, der in der Burg über dem Dorf wohnt. Und eini­ge berech­nen­de und beein­fluss­ba­re Dorf­be­woh­ner. Wobei ich kei­ne beson­de­re »Dorf­men­ta­li­tät« unter­stel­le; nur ist das »Dorf« als Schau­platz über­sicht­li­cher, homo­ge­ner, und es ist leich­ter, sich ein Dorf als abge­le­gen vor­zu­stel­len als eine Stadt.