Schreiben? Einfach. Nur die Buchstaben in die richtige Reihenfolge bringen.

Neue Ufer…

It is my intention to remain in Venice during the winter,
probably, as it has always been (next to the East)

the greenest island of my imagination.

It has not disappointed me; though its evident decay would,
perhaps,
have that effect upon others.

Lord Byron an Thomas Moore, Venedig, 17. November 1816

Von Anfang Oktober bis Ende Dezember bin ich als Künstlerstipendiat im Deutschen Studienzentrum Venedig/Centro Tedescho di Studi Veneziani zu Gast.

Meine Adresse ist dann der Palazzo Barbarigo della Terrazza, Canal Grande Ecke Rio San Polo. Zu sagen, dass ich mich darauf freue wie ein scallopina (Schnitzel) ist noch untertrieben. Es ist eine Weile her, dass ich in Venedig war. Ich werde dort in etwa zu der Jahreszeit eintreffen, die Arthur Schopenhauer für den Beginn seiner großen Italienreise im Jahr 1818 gewählt hat — Herbst und Frühwinter, die, glaube ich, schönste Zeit für Venedig. Die Touristen werden etwas weniger, über der Lagune liegen die Nebel. Gelegenheit, um zu überprüfen, was ich in meinem ersten Roman, Die Welt ist im Kopf, den Hauptprotagonisten Arthur Schopenhauer empfinden lasse:

Auf langen Spaziergängen und vielen Bootstouren lernte Schopenhauer die Schattierungen von Grau lieben (…). Das Grau sagte es auf seine Weise: Nichts soll standhalten im vergänglichen Leben. Kein unendlicher Schmerz, keine ewige Freude, kein bleibende Eindruck, kein dauernder Enthusiasmus, kein hoher Entschluss, der gelten könnte fürs Leben.

In Venedig werde ich an meinem fünften Roman weiterarbeiten und es — hoffentlich — bis Ende meines Aufenthalts zu einer brauchbaren Rohfassung schaffen. Mal sehen.