Man kann vom Dichten leben erst, wenn man längst krepiert ist. (Gustav Meyrink)

Militarismus

Sei­ne Majes­tät erklä­ren dem Prin­zen Lud­wig von Bay­ern die feind­li­chen Stel­lun­gen. (Olaf Gul­brans­son, Sim­pli­cis­si­mus, Sep­tem­ber 1909)
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Die wil­hel­mi­ni­sche war eine mili­ta­ris­ti­sche Epo­che. Nicht nur, weil Kai­ser Wil­helm II. höchst­per­sön­lich ger­ne in Uni­form ging. Die Uni­form war eine Art Wun­der­kleid. Trug man sie, war man was (wie der »Haupt­mann von Köpe­nick« rasch fest­stell­te). Ganz beson­ders natür­lich als Offi­zier – selbst wenn der Stand der Berufs­of­fi­zie­re (vor allem die unte­ren Char­gen) teils in erbärm­li­chen Ver­hält­nis­sen leben muss­ten, wie Rudolf Krafft in sei­ner 1899 erschie­nen Streit­schrift Glän­zen­des Elend [mehr dazu] beschrieb. Patrio­tis­mus galt viel, und der ließ sich nun­mal am bes­ten am Ein­satz bemes­sen, den einer fürs Vater­land zu leis­ten ver­sprach – beim Sol­da­ten geht es da immer ums eige­ne Leben; zumin­dest theo­re­tisch.

Wie ernst, wie ehr­erbie­tig man sich damals dem Mili­tär gegen­über ver­hielt, ist gut und unter­halt­sam aus den Sim­pli­cis­si­mus-Kari­ka­tu­ren der Zeit zu erken­nen. »Simpel«-Zeichner und ‑Tex­ter gei­ßel­ten den Mili­tär­wahn mit ätzen­der Iro­nie – zum Bei­spiel mit die­sem Titel­bild, das auch im »Spie­gel­kas­ten« (Sei­te 63) beschrie­ben ist:

Durchs dun­kels­te Deutsch­land. 14. Sankt Leut­nant. Außer dem höchs­ten Wesen fin­den sich in die­sem Lan­de auch Hei­li­ge, die gött­li­che Ver­eh­rung genie­ßen. (Zeich­nung von Th. Th. Hei­ne, 1904)
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Einen ähn­lich hohen gesell­schaft­li­chen Sta­tus konn­te erlan­gen, wer den Reser­ve-Offi­zier, also eine mili­tä­ri­sche Lauf­bahn par­al­lel zu einer bür­ger­li­chen Kar­rie­re anstreb­te. Da fiel vom Glanz der Uni­form immer noch genü­gend ab, und man konn­te einen ordent­li­chen Beruf aus­üben, Geld ver­die­nen und eine Fami­lie grün­den. Zur Pfle­ge und Beför­de­rung der Kar­rie­re gab es mili­tä­ri­sche Übun­gen, Tref­fen im Krei­se der ande­ren Reser­vis­ten – heu­te wür­de man viel­leicht einem Golf­club bei­tre­ten, oder den Rota­ri­ern.